Eigenartiges Indien

Unsere Reise in Indien ist nun vorbei und es ist Zeit für einen Rückblick.

Indien ist eine völlig andere Kultur als die der Deutschen und so manches erscheint dem Tourist eigenartig und sonderbar. Aber genau diese Unterschiede machen den Reiz einer Reise in die Fremde aus. Gerade die Eigenarten sind es, an denen man sich später noch erinnern wird. Es folgt eine Auflistungen einiger aufgefallenen Besonderheiten:

  • Spucken
  • Handy’s
  • Fotografieren
  • Cricket
  • Müll
  • My friend
  • Kopfnicken
  • Intimität
  • Männer und Frauen
  • Picknick-Profis
  • Armut
  • Akzeptanz

 

Ja, die Auflistung ist lang, aber trotzdem enorm lückenhaft. Ein Indikator für die zahlreich gewonnen Eindrücke und erkannten Unterschiede. Diese Vielfältigkeit erlebt man wohl kaum in einem anderen Land.
Um die einzelnen Punkte zu verdeutlichen folgen nun die Erläuterungen:

Spucken
Inder spucken – und zwar ziemlich viel. Aus diesem Grunde sieht man bei Sehenswürdigkeiten oder in Bussen „no-spitting“ Schilder.
Besonders unappetitlich sind Männer beim spucken, denn viele kauen (anstelle von rauchen) Tabak. Dieser Tabak muss speichelanregend wirken, denn die Männer spucken einem ziemlich viel rötliche Spucke vor die Füße. Rotzen und Nase hochziehen hört man ebenfalls häufig. Richtig widerlich!

Handy’s
Es scheint als ob jeder Inder ein Handy besitzt und davon regen Gebrauch macht. Es sind meist noch keine Smartphones, aber ein jeder besitzt ein Handy wie es scheint. Die Anrufe können ausgiebig sein, aber oftmals rufen die Inder sich nur für ein paar Sekunden kurz an.
Anscheinend ist das Telefonieren in Indien enorm günstig. Mir wurde gesagt, dass eine Minute telefonieren nur eine halbe Rupie kostet. Selbst mit einem niedrigen Einkommen kann man sich dieses Kommunikationsmittel leisten.

Fotografieren
Ob selber fotografieren oder fotografiert zu werden: Inder lieben es!
Oftmals fotografieren sie sich in einer coolen Pose (ohne Lächeln!) vor schönen Gebäuden oder Sehenswürdigkeiten mit dem Handy. Es beschleicht einen das Gefühl, dass Inder nur zu den Sehenswürdigkeiten fahren um Fotos von sich selbst zu machen.
Anstelle von Sehenswürdigkeiten sind Touristen auch ein gern gesehenes Motiv. Ständig wird man heimlich fotografiert. Die Mutigen fragen um ein gemeinsames Foto.
Sehen Inder Tobis beeindruckend große Spiegelreflexkamera fragen sie danach fotografiert zu werden. Kinder fragen aus reiner Neugierde und (vermeintliche) Priester bieten sich gegen eine kleine finanzielle Spende als Motiv an.
Inder geben in 99 % der Fälle die Erlaubnis um fotografiert zu werden.

Cricket
Während in Deutschland viele Jungs Fußballprofi werden wollen, sehen sich Inder in ihren kühnsten Träumen als Cricket-Helden. Cricket ist die beliebteste Sportart Indiens. Man sieht jung und alt das Spiel spielen, immer umringt von einer Gruppe Schaulustiger.
Wenn das indische Cricketteam ein Spiel hat, so kann man es nicht verpassen, denn es läuft in jedem Fernseher. Scharen von Männer finden sich um Fernseher herum zusammen um das Spiel zu verfolgen.

Müll
Müllberge stapeln sich am Wegesrand. Müll ist einfach allgegenwärtig. Ab und an sieht man Inder Müll aufsammeln. Eine Sisyphusarbeit! Denn kaum hat man Müll aufgehoben, schmeißt hinter einem direkt wieder jemand Müll auf den Boden. Es gibt kein System wie man mit dem Müll umgehen muss.
Da eh jeder den Müll an Ort und Stelle „entsorgt“, gibt es auch keine Mülleimer.
Man läuft oftmals an kleinen Feuern vorbei. Eine viel angewendete Methode um den Müll zu entsorgen. Da überall Müll verbrannt wird, riecht es auch oft unangenehm verbrannt und man läuft durch etliche Rauchschwaden hindurch.

My friend
Als Tourist bekommt man ununterbrochen von irgendwo ein Hello my friend! Where are you from? What is your name? langsam langsam… zugerufen. Das Interesse gilt aber weniger der Person, als dem Geldbeutel. Nachdem nämlich die ersten Nettigkeiten ausgetauscht wurden, folgt augenblicklich ein See my shop! Nice things, cheap! Für mehr als diese Verkaufsstrategie reichen die Englischkenntnisse meistens auch nicht aus.
Indische Männer sind sehr kontaktfreudig. Es kann bei weilen schon ermüdend sein die immer gleichen Gespräche zu führen oder zu ignorieren.

Kopfnicken
Der Europäer schüttelt den Kopf um zu verneinen und nickt wenn er etwas bejahen möchte. In Indien sind andere Gesten gebräuchlich.
Ein Ja wird mit einer kurzen oder längeren Seitwärtsbewegung (Ohr Richtung Schulter) des Kopfes angedeutet.
Das Nein hingegen ist eine eigenwillige Kopfbewegung, welche ein wenig an einen Wackeldackel erinnert. Die Bewegung ist nicht einfach nachzuahmen und erfordert als Europäer ein wenig Übung. Irgendwo stand mal passend beschrieben, dass die Kopfbewegung einer umgedrehten Acht oder dem Unendlichkeitszeichen ähnelt, welche man mit dem Kinn versucht nachzuzeichnen.

Intimität
Intimität zwischen Männern und Frauen in der Öffentlichkeit ist schlicht und ergreifend ein Tabu. Natürlich werden Intimitäten ausgetauscht, denn sonst wäre der Bevölkerungswachstum nicht gegeben, aber es wird nicht in der Öffentlichkeit gezeigt und auch nicht darüber gesprochen.
Es erscheint so widersprüchlich das physische Intimität zwischen zwei Geschlechtern inakzeptabel ist, bei Männern untereinander sie aber alltäglich ist (bei Frauen untereinander nicht). Männer zeigen ihre Zuneigung und Freundschaft indem sie sich in den Armen halten, umarmen und Händchen halten. Witziger weise ist in Deutschland diese Zuneigung bei Gleichgeschlechtigen ohne homosexuellen Hintergrund nie zu sehen.

Männer und Frauen
Männer und Frauen führen unterschiedliche Leben in Indien, denn sie unterliegen anderen Regeln, Privilegien und Traditionen.
In dem kurzen und oberflächlichen Besuch beschleicht einen das Gefühl, dass Frauen hierbei den Kürzeren ziehen.
Frauen scheinen weniger Freiraum zu haben. Männer hingegen können sich vieles erlauben. Männer treffen sich zum Beispiel viel mit Freunden und trinken Alkohol – Frauen und Alkohol? No Way!
Männer ziehen sich westlich an – Frauen hingegen traditionell. Männer dürfen halb nackt baden gehen – Frauen hingegen sind vollständig bekleidet und selbst das ist keine Garantie um nicht sexuellen Beschimpfungen ausgesetzt zu sein.
Es gibt sicherlich noch viel mehr Unterschiede zu erzählen, aber das sind die, welche mir am meisten ins Auge gesprungen sind.

Picknick-Profis
Inder sind die Experten, wenn es um Picknick geht. In den Zugfahrten war ich überrascht, was die Inder alles auftischten. Sie haben spezielle indische „Tupper-Waren“ in denen sie Curry’s aufbewahren und in anderen Brot. Gegessen wird eh mit der rechten Hand und das letzte Stück Brot wird dann als Serviette genutzt und hinterlässt noch nicht einmal Abfall, denn diese Serviette bildet den Abschluss eines leckeren Mahls.

Armut
Die Armut ist in Indien allgegenwärtig. Eine solches Maß an Armut habe ich in keinem anderen Land dieser Welt bisher gesehen. Es leben teilweise ganze Familien auf der Straße.
Die Schneise zwischen Arm und reich ist unfassbar groß.
Auf der Forbes-Weltrangliste besetzt der reichste Inder Mukesh Ambani mit einem Vermögen von 21,5 Milliarden den 22. Platz, dicht gefolgt von Lakshmi Mittal auf Platz 41 mit einem Vermögen von 16 Milliarden. Dieser Reichtum in einem Land wie Indien ist unvorstellbar, wird man doch tagtäglich mit der Armut konfrontiert.
Dem Auswärtigen Amt zur Folge liegt das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen bei kleinen 1127 US-Dollar. “ Etwa 30 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1 US-Dollar pro Kopf und Tag. Rund 70 Prozent haben weniger als 2 US-Dollar pro Tag zur Verfügung.“
Die Bandbreite der Gehälter ist in einem Land wie diesem sehr groß. Das Einstiegsgehalt von einem Akademiker liegt anscheinend ungefähr bei 50.000 Rupien (705,33 €) monatlich.
Für uns ist Indien billig, aber für einen Inder ist es nicht einfach den Alltag zu bestreiten. Bildung ist hier ein Luxusgut und keineswegs günstig.
Wir lernten einen intelligenten 16-jährigen Jungen kennen, der am Assi Ghat Postkarten verkauft um 350 Rupien im Monat mindestens zu verdienen. Soviel kostet ein Monat Unterricht an einer staatlichen Schule. Jede Prüfung kostet extra.  Die Schulausbildung an einer staatlichen Schule ist von schlechter Qualität, aber man lernt lesen und schreiben.
Wenn man eine ordentliche Schulbildung genießen will, muss man schon tiefer in die Tasche greifen: ab 3500 Rupien pro Monat.
Der Junge erzählte, dass auch sein kleiner Bruder zur Schule gehen würde. Sein Vater war ein Trinker und ist abgehauen. Seine Mutter würde für andere kochen, aber würde nicht genügend verdienen um alles zu finanzieren. Die Miete ihrer Wohnung kostet im Monat 2000 Rupien.
Wenn man die Kosten und Ausgaben miteinander vergleicht, dann kommt man unterm Strich auf große soziale Unterschiede und Ungerechtigkeiten.

Akzeptanz
Als Tourist ist die Ungleichheit und Ungerechtigkeit in diesem Land schwer zu ertragen. Man müsste denken, dass dies zu Aufständen führen sollte. Inder müssen doch unglücklich sein und sich aufbäumen! Aber nein – der Inder fügt sich seinem Schicksal. Er akzeptiert die Unterschiede und seine Lebenssituation. Dabei meckert er nicht und wirkt auch nicht unzufrieden.
Ein Bootsmann in Varanasi erzählte uns, dass der Bootsbesitzer bei Festivals Preise von 10.000 Rupien pro Person verlangt. In einem Boot sitzen dann ungefähr 10 Personen. Die Fahrten werden mehrmals täglich angeboten. Der Bootsmann, der gegen die Strömung anpaddelt und schwerste körperliche Arbeit verrichtet verdient an einem Tag vielleicht 500 Rupien. So ist das eben. Kein schimpfen, kein beschweren. Et is wie et is.
Der Ursprung ist wahrscheinlich in der Religion zu finden, die das Leben stark beeinflusst. Der Inder glaubt an eine göttliche Ordnung, welche jenseits jeglicher Logik liegt. Man glaubt an Karma und das ist für viele Inder Erklärung genug für die derzeitige Lebenslage. Man hat verdient, was einem widerfährt. Und in jeder noch so schlechten Situation, bleibt die Hoffnung auf eine Wiedergeburt mit besserem Karma, sprich besserem Leben.

Fazit der Reise
Ob uns Indien gefallen hat? Würden wir wieder herfahren?
Ja…Nein.. ich mein JAIN.
Es ist ein Erlebnis wert. Einmalig? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß ob man irgendwann wieder das Bedürfnis verspürt kontinuierlich fasziniert und schockiert zu werden. Bereist man das Land auf eigene Faust, so ist der Aufenthalt garantiert nicht erholsam, aber ein Abenteuer.

 

Viele Grüße und bis bald,
Caro und Tobi

4 Responses to Eigenartiges Indien

  1. Irmgard

    Liebe Caro, ein toller Artikel. Herzlichen Glückwunsch!

  2. Helga, Hans und Daniel

    Hallo, mal wieder freuen wir uns von Euch bei guter Gesundheit usw. zu lesen und
    durch Imad zu hören.
    Der letzte Bericht ist sehr informativ und gut sortiert aufgestellt.
    Vielen – vielen Dank.
    Tschüss – auf Wiedersehen – Ihr Lieben.

  3. Donatienne und Matthias

    Liebe Caro und lieber Tobias, weiterhin gute Reise und so interessante Berichte, die uns
    unter anderem zum Schmunzeln bringen.
    bisous

  4. Steffi

    Ich werd mich kurz halten:
    Macht weiter so!!! Mit dem geniessen der Reise, Fotos, etc…
    Freue mich auf die nächsten Berichte, aber ey, kein Stress damit! Ihr seit ja schliesslich im Urlaub! 😉
    Liefs uit Nijmegen!

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