Laos, das unbekannte Opfer des Vietnamkrieges

In Vientiane besuchten wir das Besucherzentrum von der Reha ‘Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise’ (Cope).
Die Reha ist, wie der Name schon sagt, spezialisiert auf Prothetik. In Laos sieht man regelmäßig Bürger jedes Alters mit Amputationen. Viele entstehen durch Verkehrsunfälle, aber auch durch Unfälle mit Streubomben aus dem Vietnamkrieg.

Laos und der Vietnamkrieg – wir wussten vor dem Besuch im COPE nichts über die Auswirkungen des Krieges auf Laos:
Laos ist das am schwersten bombardierte Land auf der Welt.
Obwohl Laos offiziell neutral war während des Vietnamkrieges, wurde das Land Opfer des Krieges. Das Land wurde stark durch die Amerikaner bombardiert auf Grund des Hoi Chi Minh Pfades.
Die Amerikaner wollten die Zufuhr von Verpflegung und neuen Soldaten durch den Hoi Chi Minh Pfad stoppen. Nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ bombardierte man das Land heftig, ohne Rücksicht auf zivile Opfer. Bis heute zahlt die USA nicht für die Opfer des Agent Orange oder der Streubomben. Im Jahre 2008 unterzeichneten 95 Staaten in Oslo einen Vertrag zum Verbot von Streubomben-Einsätze. Die USA, sowie Russland, China, Israel, Indien, Pakistan und Südkorea unterzeichneten diesen Vertrag NICHT. Nicht nur in Laos, aber auch im Kosovo-Krieg, Afghanistan und Irak hat die USA gebrauch gemacht von den Streubomben. Man bemüht sich allerdings die Waffen effizienter zu konstruieren, so dass die Anzahl der Blindgänger reduziert wird. Na, wenn das kein Schritt der Besserung ist… 

 Neun Jahre lang wurde in Laos alle 8 Minuten einen Bombenangriff verübt! Neun Jahre lang, alle 8 Minuten! Das ist einfach unvorstellbar. Insgesamt zwei Millionen Tonnen Bomben haben die Amerikaner über Laos abgeworfen. Man zählt ungefähr 270 Millionen Streubomben. In jeder Streubombe finden sich bis zu 600 tennisballgroße Sprengkörper. Das fatale ist, dass dreißig Prozent der abgeworfenen Sprengkörper nicht explodierten und als Blindgänger im Land verteilt liegen.
Mehr als 20 000 Zivilisten sind in der Nachkriegszeit durch Blindgänger ums Leben gekommen oder haben ein oder mehrere Extremitäten durch detonierte Sprengsätze verloren. Unglücke können sowohl zu Hause, beim spielen oder während der Feldarbeit passieren.
Die medizinische Versorgung in Laos ist sehr schlecht. Auf 1000 Einwohner kommen 0,61 Ärzte. Zum Vergleich, auf 1000 Einwohner in Deutschland kommen 3,73 Ärzte.
Wenn ein Zivilist in Laos von einer Streubombe getroffen wird, so kommt kein Krankenwagen zur Hilfe. Die Bürger müssen selbst den Krankentransport organisieren. Krankenhäusern mangelt es an Blutkonserven und Narkosemittel, wodurch die Verletzten nicht selten weiter ins nächste Krankenhaus geschickt werden. Wir haben von Fällen gelesen, in denen man nach dem dritten Krankenhaus den Verletzten resigniert zum Sterben wieder mit nach Hause nahm. Einfach furchtbar.

Man ist bemüht die Streubomben ausfindig zu machen und zu vernichten. Bis das Land allerdings Blindgänger-frei ist, werden wohl noch einige Jahre vergehen.

Die Laoten versuchen sich mit der Situation zu arrangieren und aus gefundenen Bomben Profit zu schlagen: Auf Märkten kann man Souvenirs kaufen (Löffel, Schmuck, etc.), welche aus gefundenen Bomben hergestellt sind.

Links:
http://www.copelaos.org
http://www.arbeit-und-leben-hochtaunus.de/Laos.%20US-Bombenkrieg%20gegen%20Laos%201962-1975.pdf

 

One Response to Laos, das unbekannte Opfer des Vietnamkrieges

  1. anna

    ohhhh… das ist echt traurig. scheiß kriege und gewalt!
    dann passt bloß auf wo ihr hintretet, bei den krankenhausgeschichten…
    danke für die vielen infos!

    wünsch euch einen guten rutsch und weiterhin fröhlichkeit und glück!
    anna

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